Foto: © Pivatsammlung, Düsseldorf.

Paula Modersohn-Becker

Elsbeth mit Ziegen, 1902
Pappe, 40 x 55 cm
Privatsammlung

Ein kleines blondes Mädchen sitzt ruhig an einem Moorabbruch inmitten der Worpsweder Landschaft. Es hat seinen Strohhut an einen Pfahl gehängt und hält eine weiße Blume in der Hand. Bei dem Mädchen handelt es sich um die kleine Tochter von Otto Modersohn, Elsbeth, deren Mutter im Jahr 1900 verstarb. Nach der zweiten Heirat Modersohns mit Paula Becker im Jahr darauf wurde Elsbeth die Stieftochter Paula Modersohn-Beckers. Die Künstlerin hatte ein inniges Verhältnis zu ihrer Stieftochter, die sie häufig zusammen mit ihren Freundinnen zum Malen in die freie Natur mitnahm. Die Künstlerin steckte den Kindern oftmals Blumen in die Haare oder flicht bunte Kränze für sie. Auch dieses Bild ist direkt vor dem Motiv in der Nähe der Sandgrube bei der alten Ziegelei in Worpswede gemalt. Die ausgewogene Komposition ist in leichter Untersicht und bildparallel aufgebaut. Eine schwarzbunte Ziege und ein weißes Zicklein sind auf der durch die Bildmitte verlaufenden Horizontlinie gegen den wolkendurchzogenen Himmel abgesetzt und Elsbeth zur Seite gestellt. Modersohn-Becker hält hier gleichsam die Natur ganz im Sinne der Romantik als Spiegelbild der menschlichen Seele fest und zeigt einen zeitgemäßen Natursymbolismus, wie sie ihn in Worpswede
vorfand, den sie jedoch um eine kraftvolle und atmosphärisch verdichtete Komponente bereicherte.

Biografie

Paula Modersohn-Becker
Dresden 1876–1907 Worpswede

Die bereits mit 31 Jahren 1907 im Kindbett verstorbene Paula Modersohn-Becker zählt zu den Pionierinnen der Moderne, wenngleich sie zu Lebzeiten kaum ausgestellt und nur wenige Bilder verkauft hat. Im Jahr 1876 in Dresden geboren, zog sie mit ihrer Familie 1888 nach Bremen. Nach ersten Studien in England, Bremen und Berlin übersiedelte sie 1898 nach Worpswede, wo sie Unterricht bei Fritz Mackensen nahm und ihren späteren Mann Otto
Modersohn kennenlernte. In einer Zeit als Frauen nicht an den Kunstakademien zugelassen waren und der Kunstbetrieb von Männern dominiert wurde, entwickelte Paula Becker eine moderne Bildsprache, die sich an den französischen Vorbildern Paul Cézanne und Paul Gauguin orientierte. 1900 reist sie erstmals nach Paris, wo sie ihre Freundin Clara Westhoff, die spätere Ehefrau Rainer Maria Rilkes, und auch die Künstlerin Ottilie Reylaender besuchen. Tief beeindruckt von den Werken der französischen Avantgarde kehrt Paula Becker nach Worpswede zurück und heiratet im Jahr 1901 Otto Modersohn. Zwei weitere Reisen nach Paris folgen. 1906 trennt sie sich zunächst von ihrem Mann und reist abermals nach Paris, wohin ihr Otto Modersohn auf ihre Bitte hin noch im selben Jahr folgt. Zurück in Worpswede stirbt Paula Modersohn-Becker im Jahr darauf tragisch an den Folgen der Geburt ihrer Tochter Mathilde.