Foto: © Pivatsammlung, Düsseldorf.

Paula Modersohn-Becker

Drei sitzende Mädchen mit Strohhüten und Blumenkränzen, 1901
Öl auf Pappe, 41,5 x 36
Privatsammlung

Das zweite Bild von Paula Modersohn-Becker zeigt drei Mädchen mit Strohhüten auf dem Kopf und Blumenkränzen in der Hand. Alle drei tragen rotgestreifte Kleider, die sich spannungsvoll vor dem dunklen nicht näher definierten Hintergrund abheben. Die Mädchen sitzen nebeneinander an einem diagonal durch die Bildfläche verlaufenden Weg. Die unterschiedlichen Kopfhaltungen der drei Mädchen rhythmisieren die Komposition, die wie
„Elsbeth mit Ziegen“ ebenfalls vor dem Motiv in den Worpsweder Wiesen entstanden ist. Die in warmen und weichen Braun- und Rottönen gehaltene Komposition stahlt zugleich eine von Harmonie und Geborgenheit getragene Lebensfreude aus. Auf unnachahmliche Art und Weise gelingt es der Künstlerin mit reduzierten Mitteln, das Bedürfnis ihrer jungen Modelle nach Nähe und Zärtlichkeit im Bild festzuhalten, ohne dabei ins Rührselige oder Anekdotische abzugleiten. Mit einem zurückhaltenden Kolorit und wenigen Umrissen bannt die Künstlerin die von Freundschaft und Schutzbedürftigkeit geprägte Stimmung der Kinder auf die M Malfläche.

Biografie

Paula Modersohn-Becker
Dresden 1876–1907 Worpswede

Die bereits mit 31 Jahren 1907 im Kindbett verstorbene Paula Modersohn-Becker zählt zu den Pionierinnen der Moderne, wenngleich sie zu Lebzeiten kaum ausgestellt und nur wenige Bilder verkauft hat. Im Jahr 1876 in Dresden geboren, zog sie mit ihrer Familie 1888 nach Bremen. Nach ersten Studien in England, Bremen und Berlin übersiedelte sie 1898 nach Worpswede, wo sie Unterricht bei Fritz Mackensen nahm und ihren späteren Mann Otto
Modersohn kennenlernte. In einer Zeit als Frauen nicht an den Kunstakademien zugelassen waren und der Kunstbetrieb von Männern dominiert wurde, entwickelte Paula Becker eine moderne Bildsprache, die sich an den französischen Vorbildern Paul Cézanne und Paul Gauguin orientierte. 1900 reist sie erstmals nach Paris, wo sie ihre Freundin Clara Westhoff, die spätere Ehefrau Rainer Maria Rilkes, und auch die Künstlerin Ottilie Reylaender besuchen. Tief beeindruckt von den Werken der französischen Avantgarde kehrt Paula Becker nach Worpswede zurück und heiratet im Jahr 1901 Otto Modersohn. Zwei weitere Reisen nach Paris folgen. 1906 trennt sie sich zunächst von ihrem Mann und reist abermals nach Paris, wohin ihr Otto Modersohn auf ihre Bitte hin noch im selben Jahr folgt. Zurück in Worpswede stirbt Paula Modersohn-Becker im Jahr darauf tragisch an den Folgen der Geburt ihrer Tochter Mathilde.