Foto: © Worpsweder Kunststiftung F. Netzel, Worpswede.

Otto Modersohn

Stillleben mit roter Decke und Früchten, 1918
Öl auf Leinwand, 62 x 86 cm
Worpsweder Kunststiftung F. Netzel

Otto Modersohn meldet sich 1914 nicht wie seine Künstlerkollegen Fritz Mackensen, Hans am Ende und Heinrich Vogeler als Freiwilliger zum Kriegsdienst. Aufgrund seiner Kurzsichtigkeit war er bereits früh vom Militärdienst befreit. Die Familie muss Not leiden und zieht vorübergehend zurück nach Worpswede. Das vorliegende Gemälde ist jedoch in Fischerhude entstanden, wohin die Familie um 1917 wieder zurückkehrt. Es zeigt rote, gelbe,
grüne Äpfel und Birnen, die teils in einer Schale und teils verstreut auf einer drapierten, italienischen Decke liegen. Im Hintergrund lässt sich der blaue „Lilienvorhang“ entdecken, den Paula Modersohn-Becker aus Paris mitgebracht und ebenfalls für ihre Stillleben verwendet hatte. Das Stillleben lebt von der plastischen Durchbildung der Gegenstände und seiner transparenten Leuchtkraft und Farbigkeit, ohne eine allegorische Bedeutung zu verfolgen.
Die ausgewogene Komposition zeugt von Modersohns intensivem Studium der Malerei des verehrten Paul Cézannes und lässt sich zugleich als Hommage an die von ihm hochgeschätzten Stillleben seiner Ehefrau deuten.


Biografie

Otto Modersohn
Soest 1865–1943 Fischerhude

Otto Modersohn wurde 1865 in Soest geboren. Nach seinem Studium an den Akademien in Düsseldorf (1884–88) und Karlsruhe (1888/89) kommt er im Sommer 1889 mit Fritz Mackensen und Hans am Ende erstmals nach Worpswede. Beeindruckt von der weiten herben Landschaft und den Dünen und Tümpeln im Teufelsmoor begründen sie hier gemeinsam eine Künstlerkolonie und beschließen nach Worpswede überzusiedeln. 1890 fasst er sein künstlerisches Ziel wie folgt zusammen: „Eine Kunst, die über das optische Sehen fast hinausgreift und den Gehalt, die Eigenschaft der Dinge erreichen will, ist mein Ideal. Elementar muss sie wirken, die Gegenstände mit Vehemenz erfassen, Dokumente der Natur errichten“. 1895 stellen die Worpsweder Künstler erstmals in der Bremer Kunsthalle aus und feiern erste Erfolge bei der Kunstausstellung im Glaspalast in München noch im selben Jahr. 1897 heiratet er Helene Schröder, im Jahr darauf kommt ihre Tochter Elsbeth zur Welt. 1899 tritt er aus der Künstlervereinigung Worpswede aus und besucht 1900 Paula
Becker und Clara Westhoff sowie die Weltausstellung in Paris. Kurz nach dem Tod seiner Frau Helene heiratet er im Mai 1901 seine Künstlerkollegin Paula Becker. Die Ehe endet mit dem plötzlichen Tod Paulas infolge der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Mathilde im Jahr 1907. Otto Modersohn wagt einen Neubeginn und übersiedelt nach Fischerhude, wo er 1909 die Sängerin Louise Breling ehelicht, mit der er zwei Söhne hat. Die folgenden Jahre sind
geprägt von seinen Reisen nach Franken und ins Allgäu. Nach einer Augenkrankheit malt er ab 1936 ausschließlich nur noch in seinem Atelier in Fischerhude, wo er 1943 verstirbt.