Lisel Oppel

Laternenkinder, 1954
Öl auf Pappe, 50 x 70 cm
Worpsweder Kunststiftung F. Netzel

In der Dämmerung tragen drei Kinder leuchtende Laternen durch eine Dorflandschaft. Im Vordergrund schneidet der rechte Bildrand ihnen den Weg ab. Gleich würden sie das Bild verlassen. Den zurückgelegten Weg, der an einem rot-braunen Haus verläuft, passiert eine weitere, erwachsene Figur in der Ferne. Hohe Bäume umrahmen das Haus vor dem sich dunkelblau färbenden Himmel. Der dämmerigen Landschaft in erdigen und gedeckten Tönen trotzen die kräftigen und leuchtenden Farben der bunt gekleideten Kinder und ihrer Laternen. Obwohl die Künstlerin ihre Gesichter nicht individuell formuliert, kommt ihre Kindlichkeit durch die schwungvoll angedeutete Mimik, Körpersprache und die leuchtende Farbigkeit zum Vorschein. Einem allzu lieblichen Ausdruck wirkt der unregelmäßige Pinselduktus, der die gesamte Komposition beherrscht, entgegen. Wie einen Pinselstrich setzt sie den braunen Ton der partiell unbemalten Pappe in die Konturierung und Modellierung der einzelnen
Elemente geschickt ein. Dunkle Umrisslinien um die Kleidungsstücke der Kinder erinnern an ihre frühe expressionistische Phase in Worpswede. Die „Laternenkinder“ gehören zu Oppels Spätwerk, in dem die Künstlerin zu einem eigenen Stil findet.

Biografie

Lisel Oppel
Bremen 1897–1960 Worpswede

Mit dem Wunsch Malerin zu werden, studierte Lisel Oppel mit der finanziellen Unterstützung ihrer Familie zwischen 1914 und 1918 Malerei an den Kunstgewerbeschulen in Bremen und München. Ihr Interesse an Worpswede weckte die gerade erschienene Lektüre mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen von Paula Modersohn-Becker. Nach dem Ersten Weltkrieg verließ sie im Jahr 1919 München, um in Worpswede zu wirken. Lisel Oppel zählt zur zweiten Generation der Worpsweder Künstler, die nach wie vor den „Barkenhoff“ als kulturellen Treffpunkt nutzten. Dort lernte sie Martha Vogeler und ihre Töchter kennen, mit denen sie für einige Jahre das Haus im Schluh bewohnten. In den darauffolgenden 1920er Jahren verschrieb sie sich künstlerisch dem „Expressiven Realismus“, von dem sie sich im Laufe der Zeit wieder entfernte. Zahlreiche Studienreisen in den Süden (nach Italien, Frankreich, Spanien und Marokko) prägten ihre Malweise seit den späten 1920er Jahren nachhaltig, vor allem die intensive Farbgebung. Im Spätwerk blieben die Sujets ihrer Bilder den Traditionen der Worpsweder Malerkolonie verhaftet; sie arbeitete vorwiegend an Porträts von Menschen in ihrem Arbeitsumfeld und in der Natur. Oft gab sie mit ausdrucksstarker Malweise Kinder in Worpswede und der umgebenden Landschaft wieder. Es sind unbeschwerte und  harmonische Momente zwischen Mensch und Natur.