© Overbeck-Museum, Bremen.

Hermine Overbeck-Rothe

Stillleben mit Zitrone, Apfelsine und Apfel
Öl auf Leinwand, 24,3 x 31,5 cm
Stiftung Fritz und Hermine Overbeck, Overbeck-Museum, Bremen

Hermine Overbeck-Rohte schuf insbesondere in ihrer späten Schaffensphase eine Reihe einfühlsamer Stillleben. Eine kontemplative Versenkung erreicht die Künstlerin auch in dem „Stillleben mit Zitrone, Apfelsine und Apfel“. Zusätzlich zum engen Bildausschnitt wählt sie eine besonders reduzierte und konzentrierte Darstellung von drei Früchten und zwei Gefäßen in einem zum Betrachter offenen Halbkreis auf einer weißen Tischdecke. Goldene Verzierungen einer eleganten Glasschale spiegeln das Gelb der darin platzierten Zitrone wider. Es folgen eine Apfelsine und ein einfacher grüner Becher mit einem Blütenast. Ein grüner Apfel schließt das Halbkreisensemble, das vom rosafarbenen Muster der weißen Tischdecke symmetrisch durchbrochen wird, ab. Die Oberflächenhaptik einzelner Elemente behandelt die Künstlerin tendenziell flächig, mit einem dünnen Farbauftrag, einem lockeren Pinselstrich und nur wenigen Lichtreflexen. Die Reduktion der stofflichen und tiefenräumlichen Komponenten betont den Eigenwert der frischen Farben. Overbeck-Rohtes Bestrebung nach Vereinfachung in Form und Farbe zeichnet einen unverkennbaren modernen Stil der Künstlerin aus, welche lebenslang im Schatten des Künstlerdaseins ihres Ehemannes stand.

Biografie

Hermine Overbeck-Rohte
Walsrode 1869–1937 Bremen

Hermine Overbeck-Rohte war ausgebildete Krankenschwester und Fotografin. Gegen den Willen ihrer Familie konnte sie sich mit 24 Jahren endlich an der Damenakademie in München als Kunststudentin einschreiben. Hier studierte sie vier Jahre lang Landschafts- und Stilllebenmalerei. In einer Ausstellung im Münchener Glaspalast im Sommer 1896 sah sie erstmals Werke von Fritz Overbeck. Fasziniert vom Erlebnis des Bildes „Mondaufgang im Moor“ zog sie nach Worpswede, um sich bei Overbeck weiterzubilden. Ein Jahr später heiratete das Künstlerpaar. Anders als Fritz Overbeck wählte Hermine Overbeck-Rothe seit Anbeginn kleinere Landschaftsausschnitte, leuchtende Farben und führte einen lockeren Pinselduktus. Im Spätwerk entstand eine Reihe von Stillleben. Vor allem wegen ihrer Mutterrolle konnte sich Overbeck-Rohte im Gegensatz zu ihrem Ehemann nie allein der Malerei widmen. Ihr Talent blieb der Öffentlichkeit verborgen. Selbst ihre Kinder fanden die Gemälde erst nach dem Tod der Mutter.