Foto: © Worpsweder Kunststiftung F. Netzel, Worpswede.

Hans am Ende

Frühling in Worpswede
Öl auf Leinwand, 100 x 100 cm
Worpsweder Kunststiftung F. Netzel

Eine diagonale Reihe von Birken erstreckt sich von der Bildmitte zum linken Bildrand. Ihre lichtdurchlässigen und das helle, saftige Grün der Wiese reflektierenden Baumkronen bieten einen sanften Ausklang der angeschnittenen Bäume. Wie das Schattenspiel eines Säulengangs führen ihre rechtwinklig verlaufenden Schlagschatten zu dem Garten eines ziegelroten Hauses im Hintergrund.

Nur selten platzierte Hans am Ende menschliche Figuren in seine Landschaften. Wenn er dies tat, dann als reine Porträts. Seine Landschaften dagegen sind reine Stimmungen wie diese. Als Meister der Radiertechnik vermittelte er diese seinen Worpsweder Künstlerkollegen. Er setzte jeden Farbstrich und jeden Farbpunkt bewusst in Szene, obwohl ihre äußert lockere Ausführung Leichtigkeit und Spontanität ausstrahlt. Realiter enthüllt der Bildaufbau eine durchkomponierte Szene mit ausgewogenen Linien, Symmetrie und organischer Harmonie.

Ein Wechsel aus Starrheit und Bewegung durchläuft das Bild. In einem Moment der Stille setzen sich die wogenden Gräser und schwebenden feinen Blätter der Birken gegen die starren Baumstämme und das solide Haus durch.

Biografie

Hans am Ende
Trier 1864–1918 Stettin

In der Worpsweder Gründergeneration nimmt der gebürtige Trierer eine Sonderstellung ein. Im Gegensatz zu seinen Künstlerkollegen studierte Hans am Ende in München statt in Düsseldorf. Neben der Malerei, absolvierte er eine intensive Ausbildung in der Technik der Radierung, die er in Worpswede Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler und Fritz Mackensen vermittelte.
Nach Worpswede kam am Ende 1889 mit Otto Modersohn und Fritz Mackensen, den er bereits 1885 in einer Gaststube in Ingolstadt kennen gelernt hatte. Obwohl Hans am Ende sich 1895 direkt neben Heinrich Vogelers „Barkenhoff“ niedergelassen hatte, verband die beiden Künstlerkollegen keine solch enge Freundschaft, wie er sie zu Mackensen pflegte.
Mit oft menschenleeren Moor- und Birkenlandschaften mit hohem Horizont galt am Ende unter den Künstlerkollegen als Meister der Frühlings- und Sommerstimmungen. Trotz deutlich impressionistischer Tendenzen sprach sich der Künstler gegen den Einfluss französischer Kunst in Deutschland aus.