© Overbeck-Museum, Bremen.

Fritz Overbeck

Am Rande des Moores, 1903
Radierung
Stiftung Fritz und Hermine Overbeck, Overbeck-Museum, Bremen

Unmittelbar steht man als Betrachter vor dem Eingang in die Moorlandschaft mit ihren raumgreifenden Birken und Waldkiefern. Die Ausschnitthaftigkeit und Menschenleere der Darstellung übermitteln einen Moment der Stille und Intimität inmitten der mächtigen Natur. Dennoch ist Bewegung in der Radierung spürbar. Das sichtbare Wurzelgeflecht der stämmigen, geneigten Birke im Bildvordergrund sowie die kantig rankenden Äste der Waldkiefern sind Elemente, die dem Wind zu trotzen scheinen. Die vom Wind geglätteten Gräser und aufgewühlten Wolken gleichen die Starre aus. Sie versetzen die Moorlandschaft in eine atmosphärische Stimmung und einen Ausdruck von Naturkraft. Die feinen Schattierungen der Gräser, Wurzeln sowie der Baumrinde, wie die Schlagschatten der Bäume, zeugen von Raffinesse und hoher Qualität seiner Radierungen, welche ihm auf der Internationalen Kunstausstellung 1895 in München großen Erfolg brachten.

Biografie

Fritz Overbeck
Bremen 1869–1909 Bremen

Fritz Overbeck studierte Landschaftsmalerei an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er seine Gründerkollegen Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Heinrich Vogeler kennenlernte. 1897 heiratete Overbeck Hermine Rohte, die zuvor in einer Ausstellung in München von Overbecks Gemälde „Abend im Moor“ begeistert war und infolgedessen seine Schülerin wurde. Im selben Jahr wurde er mit Medaillen auf Ausstellungen in München und Dresden gewürdigt. In seinen meist menschenleeren, weiten Landschaften schöpfte Overbeck den Motivreichtum Worpswedes aus: die Unmittelbarkeit und Härte ihrer Natur, begleitet von unterschiedlichen, stimmungsvollen Wolkenformationen. Aus gesundheitlichen Gründen seiner Frau und wegen Konflikten mit der Künstlervereinigung zog Overbeck 1905 mit seiner Familie nach Bröcken bei Vegesack in die Nähe von Bremen. Nachdem er sich von der Moorlandschaft abgewandt hatte, wurde seine Malweise lockerer und die Farbpalette heller,
die Perspektive immer nahsichtiger und intimer.