Foto: © Museum am Modersohn-Haus in Worpswede, Sammlung Bernhard Kaufmann.

Fritz Mackensen

Der Fischer, 1901
Öl auf Leinwand, 91 x 68 cm
Museum am Modersohn-Haus, Sammlung Bernhard Kaufmann, Worpswede

Ein älterer Mann steht stolz und aufrecht in seinem hölzernen Kahn und hält das Ruder in seiner rechten Hand. Ein paar tote Fische, im Boot zu seinen Füßen liegend, weisen auf die Profession des Mannes hin. Der klägliche Fang dokumentiert das harte Leben dieses einsamen Fischers, ohne jedoch anzuklagen. Eindrucksvoll setzt Mackensen den Fischer ins Zentrum der geometrisch aufgebauten Komposition. Er taucht das Boot und die Kleidung des Mannes in braune Erdtöne, die mit dem Blau des Wassers und dem Weiß-Blau des Himmels kontrastieren. Eine satt grüne Horizontlinie trennt im oberen Bilddrittel Himmel und Wasser.
Mackensen beschreibt hier das einfache Leben eines Fischers im Einklang mit der Natur, die der Künstler als etwas „Hohes und Beglückendes“ empfand. Seine traditionsbewusste und realistische Malerei brachte ihm auch den Beinamen ein, „Darsteller des niedersächsischen Volkscharakters“ zu sein.


Biografie

Fritz Mackensen
Greene 1866-1953 Bremen

Der 1866 in Greene geborene Fritz Mackensen gilt als Begründer der Worpsweder Künstlerkolonie. Nach seinem Studium an den Akademien in Düsseldorf, Karlsruhe und München kam er im Juli 1889 zusammen mit Otto Modersohn nach Worpswede. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr der Kolonie, deren erster Generation auch die Künstler Hans am
Ende, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler angehörten. Gemeinsam stellten sie 1895 in der Bremer Kunsthalle aus und feierten kurz darauf ihren ersten großen Erfolg in der Ausstellung im Münchner Glaspalast. Bis 1904 lebte Mackensen in Worpswede, wo er u.a. der Lehrer von Paula Becker, Clara Westhoff und Ottilie Reylaender wurde. Um die Jahrhundertwende spaltet sich die Gruppe in die traditionsbewussten „Maleroffiziere“ Mackensen und Hans am Ende und die weltoffeneren Ehepaare Modersohn, Vogeler und Rilke. 1908 erhält Mackensen einen Ruf an die Weimarer Akademie, deren Direktor er 1910 wird. Im Frühjahr 1918 kehrt er nach Worpswede zurück und feiert abermals künstlerische Erfolge. Doch Mackensen nimmt zunehmend eine nationalistische Haltung an. 1933 avanciert er zum Gründungsdirektor der Nordischen Kunsthochschule in Bremen. 1936 wird er mit der Goethe-Medaille geehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verleiht ihm die Bundesrepublik 1952 das Bundesverdienstkreuz. Er stirbt ein Jahr später verarmt und verbittert in seinem 87. Lebensjahr in Worpswede. Bis heute harrt sein Werk einer kritischen und umfassenden Beurteilung, die sowohl sein teils bedeutsames künstlerisches Oeuvre, als auch seine teils fragwürdige politische Haltung berücksichtigt.