Foto: © Museum am Modersohn-Haus in Worpswede, Sammlung Bernhard Kaufmann.

Fritz Mackensen

Am Altar, 1897
Öl auf Leinwand,  96 x 65 cm
Museum am Modersohn-Haus, Sammlung Bernhard Kaufmann, Worpswede

1895 erhielt Mackensen die Goldmedaille für sein monumentales Werk „Gottesdienst im Moor“, das sich heute im Historischen Museum in Hannover befindet. In dem vorliegenden Gemälde greift Mackensen abermals ein religiöses Thema auf. Der Blick des Betrachters fällt direkt seitlich auf den Altartisch einer christlichen Kirche. Ein protestantischer Pfarrer in schwarzem Talar mit weißem Beffchen steht leicht nach vorne gebeugt vor dem Altar und liest aus einem aufgeschlagenen Buch vor. Auf dem Altar stehen auf einer weißen Spitzendecke eine aufgeschlagene Bibel, eine Schale mit Hostien, ein Kelch mit Wein, eine gekreuzigte Christusfigur und zwei mächtige Kerzenleuchter. Im Hintergrund kniet ein männlicher Gläubiger mit gefalteten Händen in einer Kirchenbank. Ein großes rechteckiges Fenster schließt den Raum nach hinten hin ab.

Die ausschnitthafte Komposition lebt von einem starken Hell-Dunkel-Kontrast der vorwiegend schwarz-weißen Farbtöne und den drastischen Überschneidungen der dargestellten Personen und Gegenstände. Rilke schrieb 1903 über ihn: „Mackensens Weg geht geradeaus auf den Menschen zu, … in den Menschen … war alles zusammengefasst, was er suchte.“


Biografie

Fritz Mackensen
Greene 1866-1953 Bremen

Der 1866 in Greene geborene Fritz Mackensen gilt als Begründer der Worpsweder Künstlerkolonie. Nach seinem Studium an den Akademien in Düsseldorf, Karlsruhe und München kam er im Juli 1889 zusammen mit Otto Modersohn nach Worpswede. Dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr der Kolonie, deren erster Generation auch die Künstler Hans am
Ende, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler angehörten. Gemeinsam stellten sie 1895 in der Bremer Kunsthalle aus und feierten kurz darauf ihren ersten großen Erfolg in der Ausstellung im Münchner Glaspalast. Bis 1904 lebte Mackensen in Worpswede, wo er u.a. der Lehrer von Paula Becker, Clara Westhoff und Ottilie Reylaender wurde. Um die Jahrhundertwende spaltet sich die Gruppe in die traditionsbewussten „Maleroffiziere“ Mackensen und Hans am Ende und die weltoffeneren Ehepaare Modersohn, Vogeler und Rilke. 1908 erhält Mackensen einen Ruf an die Weimarer Akademie, deren Direktor er 1910 wird. Im Frühjahr 1918 kehrt er nach Worpswede zurück und feiert abermals künstlerische Erfolge. Doch Mackensen nimmt zunehmend eine nationalistische Haltung an. 1933 avanciert er zum Gründungsdirektor der Nordischen Kunsthochschule in Bremen. 1936 wird er mit der Goethe-Medaille geehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verleiht ihm die Bundesrepublik 1952 das Bundesverdienstkreuz. Er stirbt ein Jahr später verarmt und verbittert in seinem 87. Lebensjahr in Worpswede. Bis heute harrt sein Werk einer kritischen und umfassenden Beurteilung, die sowohl sein teils bedeutsames künstlerisches Oeuvre, als auch seine teils fragwürdige politische Haltung berücksichtigt.