Foto: © Worpsweder Kunststiftung F. Netzel, Worpswede.

Emmy Meyer

Worpsweder Haus am Moorgraben, 1903
Öl auf Leinwand, 54 x 74 cm
Worpsweder Kunststiftung F. Netzel 

Ein schmaler Pfad entlang des blauen Moorgrabens führt über eine blühende Wiese an einem Haus vorbei. Der geöffnete Fensterflügel des typischen orangeroten Worpsweder Hauses lädt zum Hineinblicken ein. Durch das trübe Glasfenster schimmert eine am Tisch sitzende Person. Die Stille und Intimität dieses Moments wird von dem Gartenmäuerchen vor dem Haus und dessen Abgeschiedenheit imitiert. Im Abendlicht des Sommers reflektiert der
Moorkanal die Farbpalette des sich lila färbenden Wolkenhimmels. Der Betrachterstandpunkt am Pfad und der Blick in das Haus spiegeln Meyers Motive wieder, die sie bei ihren täglichen Spaziergängen durch Worpswede vorfand.
Die Malerin verzichtet auf die Formulierung des Details und konzentriert sich auf die Leichtigkeit der Komposition, die Lichtführung und Wirkung der Farbe. Offenbar wurde ihr Interesse an der Darstellung von Jahreszeitenstimmungen und Farbe von ihrem Lehrer nachhaltig gesteigert.

Biografie

Emmy Meyer
Hannover 1866–1940 Worpswede

Wie Paula Modersohn-Becker besuchte auch Emmy Meyer die private Malschule des Vereins für Künstlerinnen in Berlin, bevor sie 1898 erstmals nach Worpswede kam. 1899 ließ sie sich dort nieder und wurde Malschülerin von Otto Modersohn. Für ihre künstlerische Weiterentwicklung ging sie nach Paris, wo sie von modernen Einflüssen und den Impressionisten geprägt wurde. Die Bildsprache der Impressionisten ist in der Leichtigkeit der Komposition und des Pinselstrichs, gelegentlich auch pastos, sowie in ihrem Umgang mit Lichtstimmungen spürbar. Meyer verbrachte bis zu ihrem Tod über 40 Jahre in Worpswede, das sie nur für Studienreisen verließ.