Foto: © Lilienthaler Kunststiftung Monika und Hans Adolf Cordes.

Christian Ludwig Bokelmann

Spielende Moorbauernkinder, 1890
Öl auf Leinwand, 111 x 91 cm
Lilienthaler Kunststiftung

 

auf einer Wiese. Das blonde Mädchen arrangiert ein kleines Bouquet aus gepflügten Wiesenblumen. Mit geröteten Wangen schaut ihr der Junge im Strohhut nebenan zu. Durch den Bildmittelgrund verläuft eine Reihe filigraner Birkenbäume, dahinter bedeckt ein breites Strohdach einen roten Stall vor einer flachen Waldlandschaft. An der Stalltür angelehnt stehen zwei Frauen mit weißen Häubchen in bäuerlicher Kleidung. Sie blicken in Richtung der
Kinder, doch wird ihre Blicklinie von der Birkenreihe und von dem unmittelbar hinter den Kindern liegenden dunklen Steinhaufen gestört. Mit der Reihe senkrechter Birken und dem überdimensionalen Dach in Dreiecksform wird die gesamte Komposition von einer rhythmisierenden Struktur durchzogen. In der Konzentration der Komposition auf einfache geometrische Formen, die die gesamte Bildstruktur durchziehen, klingt die moderne Kompositionslehre des späten 19. Jahrhunderts an.
Bokelmanns Malweise reflektiert den Einfluss der Düsseldorfer Schule stärker als seine Worpsweder Kollegen. Die feine Pinselführung sowie die naturgetreuen Farben und Lichtverhältnisse des Genrebildes zeugen von Bokelmanns unbestechlicher Beobachtung, die er vor allem bei der Ausführung der Kleidungstücke vorführt. Er gilt als Vertreter des Realismus und Naturalismus mit einer Hinwendung zum sozialen „modernen Sittenbild“. Der Kunstkritiker A. Rosenberg fasst es pointiert zusammen: „Da war nichts Konventionelles, kein Überrest mehr von Modellstudium, sondern die Natur, die Wirklichkeit, das Leben in voller Unmittelbarkeit.“



Biografie

Christian Ludwig Bokelmann

Lilienthal 1844–1894 Berlin

Christian Ludwig Bokelmann, Sohn eines Lehrers und Organisten aus St. Jürgen, erlernte auf Wunsch der Eltern den Beruf eines Kaufmanns. Nach dem Tod seines Vaters beschloss er, sich an der Düsseldorfer Akademie einzuschreiben, wo er 1868 Schüler des Genremalers Wilhelm Sohn wurde. Ab 1880 wendete sich Bokelmann der Freilichtmalerei und der norddeutschen Landschaft zu. Drei Jahre später wurde er an die Akademie in Karlsruhe
berufen, wohin ihm Fritz Mackensen als Meisterschüler folgte.
Seit den 1870er Jahren dominierten in Bokelmanns ernsten Bildthemen häufig sozialkritische Andeutungen und Reflexionen der wirtschaftlichen Krisen der Gründerzeit. Damit gilt er als einer der ersten deutschen Künstler, der soziale Nöte in bürgerlichen Kreisen thematisierte.