Mythos Worpswede

25. Oktober 2020 bis 28. Februar 2021


Die Entwicklung dieser legendären Künstlerkolonie von Fritz Mackensen, Hans am Ende und Otto Modersohn bis zu Paula Modersohn-Becker

Mit dem Phänomen der Freiluftmalerei kam es in Europa ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gründung von Künstlerkolonien. Die Worpsweder Künstlerkolonie zählt zu den bekanntesten in Deutschland. Entdecker Worpswedes für die Kunst war 1884 zuallererst Fritz Mackensen. Zusammen mit Otto Modersohn und Hans am Ende gründeten sie 1889 die Worpsweder Künstlerkolonie. Es war jedoch die Malerin und Otto Modersohns Ehefrau Paula Modersohn-Becker, die mit ihrer sagenhaften, verflochtenen Geschichte von Malerei, Dichtung, Liebe, Sehnsucht und Leid zahlreiche Autoren zu einer unüberschaubaren Fülle an Publikationen und Filmen über die Künstler im Teufelsmoor anregte. Die Schicksale der Worpsweder Künstler sowie ihre zeitlosen Darstellungen der Wolken-, Moor- und Birkenlandschaften wurden zu einem Mythos des 20. Jahrhunderts. 

Von einer Worpsweder Schule war erstmals die Rede, als Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende, Fritz Overbeck und Heinrich Vogeler Ende 1895 in der Bremer Kunsthalle ausstellten und kurz darauf im Münchner Glaspalast ihren erfolgreichen Durchbruch feierten. Schon bald sollte sich Worpswede als regelrechter Künstlermagnet etablieren. Regelmäßig fanden insbesondere in Vogelers „Barkenhoff“ Künstlertreffen und Feste statt. 1899 zerfiel die Künstlergemeinschaft, nach 1902 gab es keine gemeinsamen Ausstellungen mehr. 

Da Frauen der Zugang zu öffentlichen Akademien verwehrt war, gingen zahlreiche Malerinnen in Privatschulen, so auch nach Worpswede. Neben dem Einfluss der männlichen Künstlerkollegen ist die Nähe der Künstlerinnen zu Paula Becker-Modersohn nicht zu unterschätzen, deren individueller Stil prägend auf ihre Künstlerkolleginnen wirkte. Paula Becker, die streng genommen zur „zweiten“ Generation gehörte, hinterließ ein malerisches Werk, dessen Bedeutung für die Kunst zu ihren Lebzeiten wohl nur ihr Ehemann erkannt hatte. 

Wie Paula, blieben viele der Malerinnen und ihr Werk zu ihren Lebzeiten im Schatten der männlichen Künstler, deren Ehefrauen sie häufig waren, zurück. Paulas charakteristische künstlerische Qualitäten fanden nach ihrem tragischen Tod eine derart breite Anerkennung, dass viele Maler und Malerinnen späterer Generationen, wie zum Beispiel Lisel Oppel, nach Worpswede kamen. 

Die aktuelle Ausstellung zeichnet anhand von rund 50 Werken von 25 Künstlern aus privaten und öffentlichen Sammlungen das facettenreiche Bild dieser legendären Künstlerkolonie bis nach 1945 nach. 

Marie Bock

Die Uhr, um 1900

Christian Ludwig Bokelmann

Spielende Moorbauernkinder, 1890

Hans am Ende

Frühling in Worpswede, um 1900

Hans am Ende

Mädchen auf der Wiese, um 1910

Fritz Mackensen

Der Fischer, 1900

Fritz Mackensen

Am Altar, 1897

Emmy Meyer

Worpsweder Haus am Moorgraben, 1903

Otto Modersohn

Sonniger Herbsttag, um 1904

Otto Modersohn

Stillleben mit roter Decke und Früchten, 1918

Otto Modersohn

Elsbeth im Garten mit Glaskugel, 1903

Otto Modersohn

Moormädchen neben Birkenstamm, 1904

Paula Modersohn-Becker

Elsbeth mit Ziegen, ca. 1902

Paula Modersohn-Becker

Drei sitzende Mädchen mit Strohhüten und Blumenkränzen, 1901

Richard Oelze

Gold, 1947

Lisel Oppel

Laternenkinder, 1954

Fritz Overbeck

Am Rande des Moores, 1903

Hermine Overbeck-Rohte

Stillleben mit Zitrone, Apfelsine und Apfel

Ottilie Reylaender

Märchenmond, 1900

Heinrich Vogeler

Der Moorgraben, 1913

Heinrich Vogeler

Mein Garten, 1913